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Der Scherbenmönch

Meister: „Na hast du wieder schöne Scherben gefunden Li Yu?“

Li Yu: „Sogar sehr schöne, Meister. Heute Morgen habe ich 2 Stücke von besonderer Schönheit gefunden. Ich bin sehr glücklich.“

Meister: „Wir sind dir sehr dankbar, dass du sammelst, was wir achtlos am Wege liegen lassen. Na Schüler möchtest du mit mir spazieren gehen?“

Schüler: „Ja Meister“, „Meister, der Man mit dem ihr euch unterhalten habt, ist er verwirrt? “

Meister: „Was hältst du von ihm?“

Schüler: „Er ist ein Bettler, wie viele andere, nur mit dem Unterschied, dass er nicht um Essen bettelt, dabei hat er sicher Hunger.“

Meister: „Er versucht einen größeren Hunger zu stillen.“

Schüler: „Ich weiß Meister, er sammelt wertloses Zeug.“

Meister: „Für dich und mich ist es wertlos, aber nicht für ihn.“

Schüler: „ Was macht er mit den alten Scherben, die man nicht wieder zusammensetzen kann.“

Meister: „ Wenn jemand wertloses Zeug sammelt, muss das nicht heißen, dass seine Gedanken verwirrt sind. Folge Li Yu und du wirst viel lernen.“

Li Yu: „ Was schleichst du mir hinterher, Schüler, was willst du von mir?“

Schüler: „ Mein Meister hat es mir aufgetragen. Er sagte ich könne viel lernen von dir.“

Li Yu: „ Was willst du von mir lernen, ich bin ein Bettler und kann weder lesen noch schreiben, was könnte ich dir schon beibringen.“

Schüler: „ Mein Meister sagt ihr seid ein weiser Man und hättet innere Zufriedenheit gefunden. Er meint ich soll euch beobachten, ich könnte von euch etwas lernen.“

Li Yu: „Da hat sich dein Meister einen Scherz mit dir erlaubt. Er schickt dich los auf die Straße, um einem alten Man hinterherzulaufen, der nichts hat und nichts ist, aber der sich freut über jeden Tag, den er lebt und die er noch haben wird.“

Schüler: „Es muss noch mehr sein, was ich lernen kann.“

Li Yu: „Nein nichts weiter, aber wenn du glaubst ich verheimlich dir etwas, kannst du mir ja weiter folgen und helfen meinen kleinen Buddhatempel zu errichten.“

Schüler: „ Ja Li Yu ich helfe dir.“

Li Yu: „Die Arbeit ist schwer, du bekommst kein Geld, wieso hilfst du mir überhaupt?“

Schüler: „Ich habe noch nicht genug gelernt und mein Meister erwartet das.“

Li Yu: „Oh dieser Meister, was treibt der für ein grausiges Spiel mit so einem braven Schüler.“

Li Yu: „Ob der kleine Tempel fertig wird?“

Schüler: „Wisst ihr das nicht?“

Li Yu: „Ich bin sehr alt geworden, jeder Tag strengt mich mehr an, jeder Tag macht mir mehr Mühe. Willst du meine Arbeit beenden?“

Plötzlich erscheint der Meister.

Meister: „Willst du sie beenden, würdest du sie beenden, wenn es notwendig wäre?“

Schüler: „Ich zögere Meister, es ist Li Yu’s Werk, ich glaube nur er kennt seinen Sinn."

Meister: „Dann hältst du seine Gedanken nicht mehr für verwirrt?“

Schüler: „Nein Meister, ich erkenne das sein Tun eine gewisse Klarheit aufweist.“

Meister: „Klarheit, auch wenn er etwas sammelt, was für uns wertlos ist?“

Schüler: „Jede Scherbe und jeder Stein finden einen neuen Wert in Li Yu’s Werk.“

Meister: „Ja Schüler du fängst an zu begreifen.“

Schüler: „Aber gibt es auch die innere Zufriedenheit von der ihr gesprochen habt?“

Meister: „Für ihn schon, und wenn du genau überlegst, gilt das für jeden von uns. Das was er getan hat, hat ihn ausgefüllt, ihn zufrieden gestellt. Da hat er ein kleines Stück gefunden, dort hat er eine Scherbe oder einen kleinen Stein gefunden und zu etwas Neuem zusammengefügt, so das ein Ganzes entsteht.“

Einige Zeit später war der kleine Buddhatempel fertiggestellt und Li Yu verstorben. Der Schüler kam zum Tempel, stellte eine Kerze hinein und weinte.

Meister: „Hast du dich von Li Yu verabschiedet?“

Schüler: „Ja Meister und ich bin sehr traurig."

Meister: „Sei nicht traurig Schüler, der Tod kann ihn dir nicht nehmen.“

Schüler: „Aber Li Yu ist doch nicht mehr da.“

Meister: „Ist er wirklich nicht mehr da? Sieh dich doch mal um, sieh dir an, was er geschaffen hat. Stein für Stein hat er gesammelt, Scherbe für Scherbe um diesen schönen Buddhatempel zu errichten. Ist es nur ein totes Monument, oder steckt in ihm dieser Geist des Menschen?“